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Neukircher leiten Pilger durch Mekka

Sächsische Zeitung vom 07.10.2011: Von Ingolf Reinsch


Neukircher leiten Pilger durch Mekka

Sächsische Zeitung vom 07.10.2011:   Von Ingolf Reinsch

Wenigstens einmal in seinem Leben sollte sich jeder Moslem zum Haddsch, der Pilgerreise nach Mekka, aufmachen. So wollen es die Regeln des Islam. Die Metropole im Westen Saudi-Arabiens, Geburtsstadt von Mohammed, wuchs in den vergangenen Jahren zur Anderthalb-Millionen-Stadt. Ein Mehrfaches an Pilgern kommt jedes Jahr nach Mekka.

Info-Terminals aus Neukirch werden ihnen künftig helfen, sich in der schnell wachsenden Stadt zurechtzufinden. Gemeinsam mit dem Dresdener Partner eKiosk GmbH liefert die Käppler & Pausch GmbH mehr als 100 dieser Terminals, die die Regierung Saudi-Arabiens in Sachsen bestellte. Eine Berührung auf dem Bildschirm und Pilger erfahren, wie sie zur Großen Moschee und den anderen heiligen Stätten kommen, wo sich Hotels befinden, wo die Busse fahren – und wohl auch, wie sich Menschen in der heiligsten Stätte der islamischen Welt, zu der nur Muslime Zutritt haben, verhalten müssen.

Der Staat bestellt und zahlt

Die Info-Terminals wurden gemeinsam von der Käppler & Pausch GmbH und eKiosk entwickelt. In Neukirch werden die Gehäuse und die Hardware gebaut. Die Geschäftspartner in Dresden kümmern sich um die Software und den Vertrieb. Gespritzt werden die Terminals in der Oberlausitzer Industriebeschichtung GmbH Kirschau, einem Tochterunternehmen von Käppler & Pausch. Dort werden auch die arabischen Schriftzüge aufgetragen – nach Schablonen, die der Auftraggeber geliefert hat. Ulrich Käppler, Geschäftsführender Gesellschafter der Käppler & Pausch GmbH: „Outfit, Farbgestaltung und Beschriftung der Terminals bestimmt der Auftraggeber. Unser Part ist es, mit unseren Möglichkeiten der Konstruktion, Fertigung und des technologischen Know-how seine Wünsche bestmöglichst zu erfüllen.“

Die beiden Unternehmen aus Neukirch und Dresden treten seit Jahren gemeinsam unter anderem auf der Computermesse CeBit in Hannover auf – „für uns die wichtigste Messe“, sagt Ulrich Käppler. Vermutlich als Folgekontakt einer solchen Messe ergab es sich, dass die saudische Regierung auf die Sachsen aufmerksam wurde – bei Mitbewerbern weltweit. Die Käppler & Pausch GmbH, 1993 als Dienstleister in der Blechbearbeitung gegründet, setzt seit Jahren auf komplexe Baugruppen und eigene Finalerzeugnisse. Eine Lehre der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise von 2008 war, das Unternehmen noch breiter aufzustellen und es für die zukunftsträchtigen Branchen zu öffnen. Zum Beispiel der Produktion von Infoterminals. Anders als etwa im Werkzeugmaschinenbau war hier der Absatz nicht eingebrochen. Ein Grund: Die Auftraggeber sind, wie auch bei den Terminals für Mekka, oft die Regierungen.

Aus dem renommierten Auftrag – für die Käppler & Pausch GmbH – ist es der erste außerhalb Europas – könnten sich Folgeaufträge ergeben. Ist ein Kunde zufrieden, stehen dafür die Signale in der Regel auf Grün. Beispielsweise bei der Schweizer Bundesbahn könnte das in absehbarer Zeit der Fall sein. Käppler & Pausch und eKiosk statteten alle Züricher Bahnhöfe mit Infoterminals aus. „Wenn sie sich bewähren, könnten wir künftig viele Bahnhöfe in der Schweiz mit unserer Technik ausstatten“, sagt Ulrich Käppler. Wer nicht so weit fahren möchte, hat schon in der Görlitzer Altstadt die Möglichkeit, Infoterminals aus dem Neukircher Unternehmen zu nutzen.

Die Stadt wächst rasant

Mekka hat Potenzial, vielleicht auch für die Neukircher. Die Stadt wächst um jährlich mehrere zehntausend Einwohner. Damit einher geht ein Stadtumbau, vor allem in der Nähe der heiligen Stätten. Ganze bisher niedrig und locker bebaute Hügelsiedlungen wurden abgetragen und die Flächen begradigt, um Platz für Großbauten, vor allem Pilgerhotels zu schaffen. Zwischen der Hafenstadt Dschidda, wo viele Pilger mit dem Schiff ankommen, und der Stadt Mekka ist eine Eisenbahnlinie, in der Pilgerstadt selbst sind mehrere U-Bahnlinien geplant. Alles Schnittpunkte, an denen sich Reisende orientieren müssen. Vielleicht helfen ihnen auch dort bald die Neukircher, ihren Weg schnell zu finden.